Varanasi – faszinierend und ergreifend

Varanasi war für mich ohne Zweifel das Highlight der 2-wöchigen Indien-Rundreise. Die spezielle Atmosphäre – ich könnte es fast Aura nennen – welche Varanasi umgibt, kann kein Film, Buch oder Reiseführer vermitteln. Das müsst ihr vor Ort mit allen Sinnen selbst erleben. Faszinierend, beeindruckend, ergreifend, fremd. Kulturschock pur.

Wir kommen mit dem Nachtzug aus Agra früh morgens in Varanasi an. Wer den Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung sucht, also  – wie der Fotograf sagt – nah dran sein will – dann ist eine längere Zugfahrt in Indien genau das Richtige.

Varanasi – Was erfahrt ihr in diesem Artikel?

Meistbesuchte Pilgerstätte am Ganges

Reinkarnation – Tod und Wiedergeburt

Die Ghats – ein beeindruckendes Gewusel

Aussteiger, Priester, Yoga-Meister und Business

Die Aarti Zeremonie – beten zu Mutter Ganga

Rituelle Waschungen im Ganges

Die Altstadt

Fazit

Meistbesuchte Pilgerstätte am Ganges

Varanasi ist die heiligste Stadt der Hindus, und zugleich eine der ältesten Städte der Welt. Sie wird von den Hindus auch Kashi genannt – die heilige Stadt des Lichts.

Reinkarnation – Tod und Wiedergeburt

Varanasi ist der Ort in Indien, an welchem jeder Inder sterben will. Um das zu begreifen, tauchen wir ein wenig in den Hinduismus ein: Dieser lehrt die Wiedergeburt, das bedeutet: Der Körper stirbt, die Seele nie. Die Seele verlässt den Körper und kehrt in einen neuen Körper – welcher neben einem Menschen ebenso ein Einzeller, eine Pflanze, ein Tier oder ein Halbgott sein kann.

Dieser Zyklus kann nur in Varanasi unterbrochen werden. Jeder, der hier stirbt, erlangt die Seligkeit und seinen Frieden im Nirvana.

Viele Hindus lassen sich bereits Monate vor Ihrem vermuteten Ableben in Varanasi in einem der vielen Hospize nieder. Einige davon sehen wir beim Flanieren entlang den Ghats. Bei ca. 200 Verbrennungen am Tag – rund um die Uhr – ist der Tod hier allgegenwärtig. Ich erkenne, daß die Hindus damit sehr unkompliziert umgehen, und erstaunlicherweise bin ich selbst eher fasziniert als abgeschreckt.

Der Weg zum Nirvana mittles Verbrennung auf speziellem Feuerholz ist ein, für indische Verhältnisse, sehr teures Vergnügen – oder sollte ich es besser sachlich Angelegenheit nennen? Vielleicht ist für den Hindu wirklich ein Vergnügen, da es die endgültige Erlösung verspricht. Das weiss letzendlich nur er, wenn er im Nirvana angekommen ist.

Die Ghats – ein beeindruckendes Gewusel

Die größte Sehenswürdigkeit Varanasis sind die über 80 Ghats – Badetreppen – welche bis zum Ganges hineinreichen. Sie reihen sich auf eine Länge von ca. 5 km am Südufer des Ganges aneinander und prägen zweifelsohne den Charakter der Stadt.

Am ersten Tag schlendern wir gemütlich an den Ghats entlang und erleben hautnah den Alltag. Überall finden religiöse Rituale statt. Strassenverkäufer, Priester, Sadhus, Bettler, Kühe und viel Skurriles säumt unseren Weg. Am oberen Ende der Ghats sehen wir imposante, jedoch stark verfallene Gebäude und Paläste. Ich stelle mir vor, wie prachtvoll und herrschaftlich das wohl früher mal ausgesehen hat.

Beim Schlendern passieren wir auch mehrere Verbrennungsstellen, die sogenannten Burning Ghats. Das gehört hier einfach zum Alltag und ist nichts Besonderes. Das bekannteste Burning Ghat nennt sich Manikarnika Ghat. Ein paar Schritte weiter sehen wir wieder kleine Restaurants, Chai-Tee-Verkäufer, Souvenir-Läden usw.

Um ein wenig vom turbulenten Treiben auf den Ghats – aber auch von den unglaublichen Attacken auf unsere Sinne – abzuschalten, gönnen wir uns am Nachmittag eine kleine Pause im Dolphin Restaurant, welches sich auf der Dachterrasse des Rashmi Guest House befindet. Auch wenn es bei Touristen ein Hot-Spot ist: Wir geniessen köstliches indisches Essen, Chai-Tee, Mango-Lassi und die sagenhafte Aussicht über die Ghats sowie das beeindruckende Gewusel.

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Glanz aus vergangenen Zeiten - ein Palast an den Ghats von Varanasi
Glanz aus vergangenen Zeiten – ein Palast an den Ghats von Varanasi
Manikarnika Ghat
Manikarnika Ghat
Die heiligen Kühe werden liebevoll gewaschen
Die heiligen Kühe werden liebevoll gewaschen

Aussteiger, Priester, Yoga-Meister und Business

Wo sich Touristen tummeln, tummeln sich natürlich auch findige, wie soll ich sagen – Geschäftsleute. Uns begegnen unter anderem selbsternannte Priester sowie weißbärtige Yoga-Meister – jedoch absolut überzeugend, also sehr gute Schauspieler.

Auf unserem Walk auf den Ghats beobachten wir, wie zwei westliche Touristinnen mit einem ergrauten, weißbärtigen Yoga-Meister meditieren. Ob der über eine Yoga-Zertifizierung verfügt? Wohl eher nicht, aber das ist hier – wie generell in Indien – Nebensache.

Das Feuerholz für die Verbrennung ist recht teuer, da es in der Regel von Kalkutta mit dem Boot nach Varanasi transportiert wird. Das edelste Holz, aber auch mehr als 10mal so teuer, ist Sandelholz. Dementsprechend begegnen wir überall Menschen, die um eine Spende für das Holz bitten. In unserem Fall war das ein – vermutlich selbsternannter – Priester. Aber dafür er hat uns auch eine rührende, herzzerreißende Geschichte erzählt. Hat also funktioniert.

Jeder macht hier sein Business, um irgendwie über die Runden zu kommen. Das finde ich vollkommen legitim und nachvollziehbar, solange es nicht aufdringlich und anstrengend wird. Das habe ich hier jedoch nicht erlebt, alles sehr freundlich und friedlich.

Dann gibt es noch die Aussteiger aus aller Welt, die in Varanasi ihr endgültiges Eldorado gefunden haben. In unserem Hotel erfahren wir, daß eine Touristin – um zu beweisen, daß sie für immer in Indien bleiben will – in aller Öffentlichkeit ihren Reisepass zerrissen hat. Auch wenn das eher nur Symbolcharakter hat – lustig finde ich das irgendwie schon.

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Sadhu
Sadhu

Die Aarti Zeremonie – beten zu Mutter Ganga

Frisch gestärkt begeben wir uns zum Dashaswamedh Ghat, um hier die allabendliche Aarti Zeremonie anzuschauen. Hier beten Priester und Pilger jede Nacht zu Mutter Ganga. Nach Abschluss der Zeremonie – inzwischen ist es dunkel – steigen wir in eins der zahlreichen Ruderboote, gleiten langsam über den Ganges, zünden Schwimmkerzen an und schicken sie auf ihre hoffentlich lange Reise.

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Rituelle Waschungen im Ganges

Am zweiten Tag ist sehr früh aufstehen angesagt, das heisst 05:00 Uhr. Neben der magischen Lichtstimmung bei Sonnenaufgang haben wir die Gelegenheit, auf einer Bootsfahrt die rituellen Waschungen an den Ghats in Ruhe zu beobachten.

Vom Boot aus sehen wir unzählige – in farbige Saris umhüllte – Inderinnen, welche in den Ganges steigen, um sich von Krankheiten, aber auch von Sünden zu reinigen. Sich reinigende  Männer sehen wir ebenfalls, jedoch deutlich weniger. Um all diese Momente einzufangen, schiesst meine Kamera fleissig Serienbilder. Jetzt weiss ich: Nur ein Foto hätte gereicht, um die komplette Szenerie wieder vor meinem geistigen Auge aufleben zu lassen.

Kleine Anekdote: Ich selbst muss mich diesem Ritual nicht mehr unterziehen, da ich bereits rein bin. Ich habe beim River Rafting in Rishikesch unfreiwillig im Ganges geschwommen – das Schlauchboot ist in einer Stromschnelle komplett umgekippt.

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Das Zentrum von Varanasi

Ein wenig Zeit haben wir noch, um uns im Zentrum umzuschauen. Wir lassen uns einfach treiben, was meiner Meinung nach in Indien eh immer das Beste ist.

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Fazit

Meiner Meinung nach müsst ihr für Varanasi nicht mehr als zwei Tage einplanen. Die Stadt lebt eindeutig von der magischen, spirituellen Atmosphäre. Meine persönlichen Highlights waren die Ghats, die Aarti-Zeremonie sowie die morgendlichen Waschungen. Vermutlich werde ich Varanasi kein zweites Mal besuchen. Trotzdem bin ich froh, dass ich diese unglaubliche Atmosphäre einatmen durfte – dass wird unvergesslich bleiben.

Danke auch an den Reiseveranstalter Enchanting Travels, welcher meinen Varanasi-Bericht in seinem Blog veröffentlich hat.

http://www.enchantingtravels.de/reise-blog/11-exklusive-indien-reisestories-tipps/

Kommentare

Hat mein Beitrag dein Interesse geweckt oder dich eher abgeschreckt? Ist der Umgang mit dem Tod für dich ein Tabuthema? Warst du bereits in Varanasi? Würdest Du diesen magischen Ort ein zweites Mal besuchen? Ich freue mich auf Deine Kommentare.

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